Veränderliche Sterne mit DSLR fotometrieren: Anleitung

· von Erik Halvorsen · 4 Min. Lesezeit

Veränderliche Sterne mit DSLR fotometrieren: Anleitung

Mit einer handelsüblichen DSLR-Kamera können auch Hobby-Astronomen wissenschaftlich verwertbare Helligkeitsmessungen von veränderlichen Sternen durchführen. Klingt nach Profi-Sternwarte, ist aber mit etwas Geduld und der richtigen Vorgehensweise auch vom eigenen Garten aus machbar. Dieser Beginner-Guide erklärt Schritt für Schritt, welche Ausrüstung nötig ist, wie die Aufnahme gelingt und wie Sie Ihre Daten auswerten und an Projekte wie AAVSO übermitteln.

Was sind veränderliche Sterne – und warum sind sie spannend?

Veränderliche Sterne ändern ihre Helligkeit über Stunden, Tage oder Monate. Mal liegt es an Pulsation, mal an einem Begleitstern, der ihn periodisch verdeckt, mal an regelrechten Ausbrüchen. Algol, Delta Cephei oder Mira sind die klassischen Beispiele, die fast jeder Amateurastronom irgendwann einmal beobachtet. Das Problem: Profi-Observatorien haben Teleskopzeit für teure Großprojekte reserviert, nicht für die lückenlose Überwachung von zehntausenden bekannten Veränderlichen. Genau hier kommen Amateure ins Spiel. Die AAVSO (American Association of Variable Star Observers) sammelt solche Messungen bereits seit über 100 Jahren und wertet sie aus, teils fließen sie direkt in wissenschaftliche Publikationen ein.

Welche Ausrüstung braucht man als Einsteiger?

Gute Nachricht zuerst: Wer schon eine Kamera besitzt, muss meist nicht viel nachkaufen.

Ein Teleskop ist dabei kein Muss. Viele helle Veränderliche wie Algol oder Beta Lyrae lassen sich problemlos mit einem normalen Kamera-Objektiv auf dem Stativ einfangen, ganz ohne Nachführmotor.

Aufnahmetechnik: So gelingen verwertbare Bilder

1. Immer im RAW-Format fotografieren

JPEG-Dateien taugen für Photometrie schlicht nichts, da die Kamera sie intern komprimiert und die Helligkeitswerte nichtlinear verbiegt. RAW-Dateien dagegen enthalten die rohen, unbearbeiteten Sensordaten, genau das, was für eine saubere Messung zählt.

2. Fokus und Belichtung

3. Mehrere Aufnahmen pro Nacht

Fünf bis zehn Einzelbilder pro Messzeitpunkt sollten es mindestens sein. Durch das Mitteln der Werte sinkt das Rauschen spürbar und die Messung wird deutlich zuverlässiger.

4. Vergleichssterne einbeziehen

Wählen Sie den Bildausschnitt so, dass neben dem eigentlichen Zielstern auch bekannte Vergleichssterne mit genau katalogisierter, konstanter Helligkeit zu sehen sind. AAVSO stellt dafür sogenannte Finder Charts bereit, auf denen die Helligkeitswerte der Vergleichssterne direkt eingetragen sind, eine enorme Erleichterung für Einsteiger.

Auswertung: Von Pixeln zu Helligkeitswerten

Für die eigentliche Photometrie führt kein Weg an spezieller Software vorbei, die aus den Pixeldaten die tatsächliche Sternhelligkeit berechnet:

Am Ende steht eine Differenzhelligkeit gegenüber dem Vergleichsstern. Trägt man diese über die Zeit auf, entsteht die sogenannte Lichtkurve, das eigentliche Herzstück jeder Veränderlichen-Beobachtung.

Typische Anfängerfehler vermeiden

Daten einreichen und mitforschen

Wer regelmäßig misst, kann seine Daten direkt bei AAVSO über das WebObs-System einreichen. Klingt banal, ist es aber nicht: Mit jedem eingereichten Messwert tragen Hobbyastronomen aktiv zur Erforschung von Sternentwicklung, Doppelsternsystemen und Nova-Ausbrüchen bei, und das völlig ohne teures Profi-Equipment.

Fazit

Die Beobachtung veränderlicher Sterne mit der DSLR ist ein idealer Einstieg in die wissenschaftliche Amateurastronomie. Mit RAW-Aufnahmen, einem stabilen Stativ, passenden Vergleichssternen und kostenloser Auswertungssoftware wie AstroImageJ lassen sich schon nach wenigen Nächten brauchbare Lichtkurven erstellen. Wer am Ball bleibt, leistet mit jedem einzelnen Messwert einen echten Beitrag zur Citizen-Science-Astronomie, und das ist mehr, als viele am Anfang für möglich halten.

#Astronomie#Veränderliche Sterne#DSLR Fotografie#Fotometrie#Hobby-Astronomie